#11 Technik, Talent und Tüftlergeist: Zukunft zum Anfassen

Shownotes

In dieser Folge spricht Dr. Inka Engel mit Prof. Dr. Martin Fislake über die faszinierende Welt der Technikbildung – von den ersten Werkstücken aus Papier bis hin zu Robotik, 3D-Druck und Makerspaces. Wir zeigen, wie Technikbegeisterung vom Kindergarten bis zur Hochschule geweckt wird, warum kreative Tüftler:innen an der Universität Koblenz ein Zuhause finden und wie digitale Tools und die Maker-Kultur die Bildungslandschaft verändern.

Erfahre, warum die berühmten Technik-Camps weit mehr als nur eine Ferienbeschäftigung sind, wie die Kinder-Uni und der Makerspace Nachwuchstalente fördern und was sich unser Gast für die Zukunft der Techniklehre wünscht. Wenn du wissen möchtest, wie aus Neugier Innovation entsteht und warum ein Lasercutter manchmal die Tür zum Abenteuer öffnet, bist du hier genau richtig.

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00:00:00: Willkommen bei Weiterdenken, dem Podcast der Universität Koblenz.

00:00:05: Hier sprechen wir über Forschung, Wissen und Ideen, die bewegen.

00:00:10: Denn Wissen schafft Verbindung.

00:00:15: Minecraft Lego und Roboter, alles was Kinderherzen höher erschlagen lässt, hat auch einen Platz bei uns hier an der Universität Koblenz.

00:00:24: Und damit herzlich willkommen zur neuen Folge von Weiterdenken.

00:00:27: Mein Name ist Dr.

00:00:28: Inka Engel und heute begrüße ich Prof.

00:00:31: Dr.

00:00:32: Martin Fislake.

00:00:34: Wir sprechen darüber, wie Technikbildung vom Kindergarten bis zur Hochschule funktioniert, welche Herausforderungen und Chancen die Digitalisierung und auch die sogenannte Makerkultur mit sich bringt.

00:00:45: Und warum vielleicht auch, dass diesjährige Weihnachtsgeschenk etwas mit einem Campus Workshop zu tun haben könnte.

00:00:53: Schön, dass du da bist, Martin.

00:00:55: Herzlich willkommen.

00:00:56: Du leitest seit zwanzig Jahren die Technikcams und bis wissenschaftlicher Leiter des Fachgebietstechniklehre an der Universität Koblenz.

00:01:06: Wir starten mal ein bisschen anders.

00:01:09: Mit welchem technischen Gerät würdest du dich vergleichen und warum?

00:01:15: Mit welchem technischen Gerät?

00:01:17: lasst mich die Frage mal umkehren, denn wenn du dir vorstellst, wo ist ein Werkzeug, wenn es nicht gebraucht wird.

00:01:26: Es liegt in der Werkbank oder im Werkzeugkasten und wartet darauf, dass jemand kommt und es benutzt.

00:01:34: Ich wäre viel lieber derjenige, der das Werkzeug nutzt, weil ich damit etwas machen kann.

00:01:40: Und in unserer Familie gab es schon früher um das mal zu beschreiben.

00:01:47: Mein Vater war Ingenieur, mein Bruder war Ingenieur.

00:01:49: Für uns war es ein Fest, wenn wir eine Talk Range, also ein Drehmomentschlüssel oder ein Rollgabelschlüssel zu Weihnachten unter dem Weihnachtsbaum hatten, weil das uns nämlich neue Möglichkeiten eröffnete, also Optionen.

00:02:02: Also du bist mehr der universelle Handwerker, der dazu lernt, statt das eigentliche Werkzeug.

00:02:08: Jetzt bist du hier an der Universität für Techniklehre zuständig verantwortlich.

00:02:14: Erklär uns bitte mal, was das ist.

00:02:16: Also das Fachgebiet Techniklehre ist der Bereich, in dem werdende Lehrer für ein Fachtechnik ausgebildet werden.

00:02:26: Weil ich in Rheinland-Pfalz so gut wie der Einzige bin, ist es also schon von der Seite her exotisch und versteckt sich in Rheinland-Pfalz als Wahlpflichtfach in der Realschule Plus.

00:02:38: Das war mal anders, als die Schulen anders strukturiert waren, aber es ist eben ein wenig versteckt.

00:02:45: Jetzt kann ich mir schon grob vorstellen, was die Schülerinnen später in der Schule tatsächlich im Unterricht machen.

00:02:51: Ich sage es jetzt mal ganz böse.

00:02:52: Es ist auch so ein bisschen in die Richtung Werken vielleicht.

00:02:56: Aber was lernen dann eigentlich die Studierenden dann, wenn sie Techniklehre studieren?

00:03:01: Ja, die Annahme und auch die Vorstellung ist natürlich weit verbreitet.

00:03:05: Sie hat ihre Wurzeln nach wie vor historisch gesehen im Werken und es gab dann Ende der Sechziger gab es eine Trennung zwischen den musischen Werken und dem technischen Werken, dass sich dann in eine technische Bildung, also in den, je nach Bundesland heißt es ein bisschen anders, bei uns heißt es Techniklehre, in der Schule heißt es noch mal anders.

00:03:26: Aber ich versuche, Lehrer auszubilden, so universell, dass sie in jedem Bundesland einen Technikunterricht machen können.

00:03:33: Und wir beginnen immer mit relativ einfachen Dingen, also mit Papier und Papier als Werkstoff.

00:03:41: Erstens ist es ein günstiger Werkstoff, mit dem man sehr viel machen kann, also mehr als man sich am Anfang vorstellt.

00:03:49: Und die Studenten lernen dort Handfertigkeiten, also Feinmotorik, weil wir sehr kleine Modelle bauen.

00:03:58: Das gehört dazu, diese Schiffchen zu bauen.

00:04:04: Die meisten kennen das und wir liegen im Moment so bei vier und ein halb Millimeter.

00:04:08: Ach du je.

00:04:10: Oh Gott.

00:04:11: Da entsteht ein kleiner Wettbewerb und die Studenten streben natürlich dann auch schon miteinander um die Krone.

00:04:17: Ja.

00:04:17: Die Studierenden jungen, also wir haben eben so viele männliche Studierende wie weibliche Studierende inzwischen, das hat sich sehr gut gefügt.

00:04:26: Und dann kämpfen die natürlich um die Krone, wer macht das kleinste und dann setzt sich das sofort.

00:04:31: Also wir bauen dann auf diesem Werkstoff auf, gehen dann in den Werkstoffholz, der übrigens der Werkstoff ist, der in den Köpfen beim der meisten Menschen für Werken synonym steht.

00:04:43: Und von dort aus gehen wir dann, im nächsten Semester gehen wir ins technische Zeichnen, die Metallverarbeitung, wir schneiden Gewinde, wir müssen pfeilen und viele andere Dinge auch bohren und Maschinenscheinen erwärmen.

00:04:57: Und dann geht es schon in die Automatisierung, also ich spreng ja jetzt sehr grob, dann geht es schon in die Automatisierung, wir machen dann dem Modul sechs.

00:05:05: auch das Bauen und Programmieren von Lego-Robotern, weil das auch die Grundschule betrifft.

00:05:11: Und dann verlassen mich leider die Grundschullehr-Empler.

00:05:16: Und im Master haben wir dann die, setzen wir das fort mit Mikro-Kontroller-Programmierung und dem Nutzen von Fischertechnik-Konstruktionsbau-Kästen.

00:05:29: auch Kunststoffverarbeitung und vieles andere mehr.

00:05:32: Jetzt sind wir schon so ein bisschen bei dem, was ich vorhin geteasert habe.

00:05:35: Ich sagte, glaube ich, Minecraft, Lego, Robotik, das sind ja alles aktuelle Begriffe.

00:05:41: Mein Sohn... Gott, den ich noch nie im Podcast erwähnt habe, aber es gibt ihn, liebe Grüße, dem sein Herz schlägt höher, wenn er all das hört.

00:05:52: Das ist jetzt gar nicht unbedingt in dem Lehramtstudium mit drin, sondern bei uns gibt es die sogenannten Technikcams, die er wirklich schon, ich möchte sagen, ja.

00:06:03: Institutionell verankert sind, gefühlt, weil sie so bekannt sind, auch wirklich über die Grenzen hinaus.

00:06:09: Also ich weiß, ich habe versucht, meinen Sohn mal anzumellen, die Wartelisten sind unendlich, die Kurse sind direkt ausgebucht, ihr habt ein wahnsinnig tolles Angebot.

00:06:17: Kannst du uns dazu ein bisschen was näher erzählen?

00:06:20: Ja, sehr gerne.

00:06:22: Ja, es ist so, dass ich das etwa in den Jahr- und Nachfolgen gegründet habe.

00:06:29: Wir hatten dann in dem ersten Jahr versucht, einen Kurs auf die Beine zu stellen und haben dann letztendlich vier Kurse durchgeführt und haben uns überall Material zusammengelehnt.

00:06:40: Es zeigt aber nicht nur das Interesse, sondern es zeigt auch... den Bedarf.

00:06:44: Es zeigt auch, dass wir hier Menschen haben, die einfach, ich drück das mal so aus, wir haben Kinder und Jugendliche, die haben regelrecht Hunger nach technischer Bildung.

00:06:54: Ich kriege bundesweit Anrufe von Eltern, die wahrnehmen, dass deren Kinder Jungs wie Mädchen.

00:07:02: beispielsweise ruft eine Mutter an und sagt, bei uns zu Hause ist schon alles repariert, was man reparieren kann und alles zerlegt, was zerlegt worden ist.

00:07:09: Ich habe ihm schon alles, alle Konstruktionsligokästen gekauft, die es so gibt.

00:07:16: Und dann sind die Ferienkurse, die Kinder-Technik-Ferienkurse, so hießen sie ursprünglich heute nennen, wir sagen nur noch Technik-Cams, sind genau der slot.

00:07:25: Und wenn du jetzt gerade live dir ein Kurs einer vor der Pandemie, hatten wir so ein Peak, da hatten wir einhundert Wochenkurse pro Jahr auf die Beine gestellt hier in der Region.

00:07:37: Das waren über tausend fünfhundert Kinder, die also mit technischer Bildung konfrontiert, nein nicht konfrontiert, faire sorgt wurden.

00:07:46: Die haben richtig Hunger darauf und freuen sich zu uns zu kommen.

00:07:50: Also das heißt diese Kurse gibt es immer in den Ferien und von welcher Altersspanne sprechen wir hier?

00:07:56: Es hat sich ein bisschen gewandelt.

00:07:58: Anfangs hatten wir nur die Sekundarstufe eins, das war das Alter von acht bis vierzehn und dann haben wir das nach unten hin erweitert.

00:08:08: Wir beginnen mit Kindern ab sechs.

00:08:10: Und ich muss aber gar nicht unbedingt aus der Region kommen.

00:08:13: Nein.

00:08:14: Wir waren immer darum bemüht, aber irgendwann waren unsere Kapazitäten und Möglichkeiten ausgeschöpft.

00:08:21: Wir hatten auch zeitweise International Camps bei uns.

00:08:26: Wir hatten Kinder dann aus der ganzen Welt bei uns, also die weiteste Anreise, selbst auf Fustersrappen.

00:08:35: Nein, in der Schustersrappen.

00:08:37: Es waren Eltern aus Flensburg da.

00:08:40: Vielmehr waren es die Großeltern, die mit den Wohnmobilern der Mosel dann kampiert haben und haben dann die Enkelkinder hierhin, weil die Eltern gesagt haben, das ist ein Angebot, das wollen wir haben.

00:08:51: Es waren Kinder da aus Amerika, aus Spanien, wo die Eltern gesagt haben, meine Frau ist Deutsch oder der Mann ist Deutsch und wir möchten, dass sie auch Deutsch können und dann haben wir hier eine Möglichkeit, sie in den Ferien unterzubringen, aber auch gleichzeitig mit deutschen Kindern Deutsch zu sprechen.

00:09:06: Eine Besonderheit, wir hatten aus Israel, die sind alle mit einem Kollegen aus Israel zu uns gekommen und haben eine Woche lang Camps bei uns besucht.

00:09:18: Okay, und jetzt nannte ich also Minecraft.

00:09:20: Ich glaube, man programmiert auch ein bisschen, je nachdem, welchen Kurs man belegt.

00:09:25: Man baut Roboter aus Lego, die dann aber auch tatsächlich fahren können.

00:09:31: Warum ist das so wichtig?

00:09:32: Also nicht nur vielleicht für Kinder und Jugendliche, sondern letztlich ja auch später dann in der Schule.

00:09:39: Was macht Techniklehre so wichtig, gerade in unserem Zeitalter?

00:09:43: Also die allgemeinbildende Schule hat ein großes Problem mit technischer Bildung.

00:09:48: Das ist das eine, weil auch Land auf Land ab, die Menschen zunächst einmal ... Ich mach's mal, überschreib das mal so, wenn ich am Bahnhof ins Taxi steige und beschreibe, was ich mache.

00:10:00: Ach, dann sind sie an der Hochschule, also bei den Ingenieurwissenschaften oder berufsbildende Schule.

00:10:06: Nein, technische Bildung ist genauso wie Musik und Religion ein allgemeinbildendes Fach, wenn man es so nimmt, wie wir das machen.

00:10:14: So, das ist ganz wichtig, weil wir Kinder haben, die einfach ein anderes Talente-Profil haben.

00:10:19: Es gibt Kinder, die sind sportlich.

00:10:21: Kinder, die sind ... Musikalisch.

00:10:23: Es gibt Kinder, die sind Fremdsprachen begabt, aber wir haben auch ganz viele Kinder, die haben einfach ein technisches Talent und das wird einfach ein Stück weit an dieser Stelle vernachlässigt.

00:10:35: Du nanntest diese Campwochenmal oder sie werden so genannt, lebendes Lehr-Lern-Labor.

00:10:42: Was versteckt sich dahinter?

00:10:45: Aber das Thema greife ich so gerne auf, weil es nämlich einfach, also die Technik Camps sind wie ein Schweizer Taschenmesser und nicht nur das kleine, sondern das ganz große Schweizer Taschenmesser.

00:10:57: Lebendig ist es deswegen, weil wir kontinuierlich an unseren Konzepten inhalten und Kursideen arbeiten.

00:11:06: Also wir haben Kurs gehabt, die wir schon lange aus dem Programm herausgenommen haben, weil sie nicht mehr zeitgemäß waren.

00:11:15: Es gibt kaum etwas, was eben so eine hohe Innovations- und Veränderungsrate hat wie Technik und in Verbindung auch noch mit der Informatik.

00:11:25: Also wir hatten, wie gesagt, Kurse, die wir heute nicht mehr haben.

00:11:28: Wir haben inzwischen die vierte Generation an Lego-Roboter.

00:11:32: Also alle zehn Jahre müssen wir also und kommen.

00:11:35: Palette neue Investitionen da betreiben, damit wir auf der Höhe der Zeit sind.

00:11:40: Also die können heute Sachen, die man früher nicht konnte, sie werden zum Teil einfacher und so weiter.

00:11:46: Die Kinder lernen vor allem etwas, wo wir in Deutschland keinen Synonym, keinen Begriff für haben.

00:11:50: Also Engineering, Problem lösen, nicht Phänomene betrachten, sondern es wird eine Aufgabe gestellt oder es wird ein Problem formuliert und dann können wir im Engineering-Design-Prozess, das ist so ein didaktisches Konzept.

00:12:04: sich überlegen, wie kriege ich das Problem gelöst, oder diese Aufgabenstelle, wie kriege ich die gelöst, technisch?

00:12:10: Was kann ich machen, um das besser zu machen?

00:12:12: Und das Ganze in so einem Kurskonzept, dass die Kinder untereinander in jeder Kurs ein bisschen anders aufgestellt.

00:12:17: Also man muss ja vorstellen, wir haben Seifenkisten, die bauen dann, da funktioniert das alles ein bisschen anders als jetzt im Lötkurs oder bei den Leger Robotern oder bei den Fischertechnik Robotern.

00:12:28: Bis hin, wir bauen mir den Kindern eine Modellfabrik.

00:12:31: Also so etwas, wo man sonst nach Köln fahren müsste oder nach Rüsselsheim, um dort zu sehen, wie Autos montiert werden.

00:12:42: Das simulieren wir einfach, indem die Kinder diese Anlage komplett selber bauen.

00:12:47: Sehr cool.

00:12:48: Und automatisieren.

00:12:49: Also insofern ist Informatik.

00:12:52: für uns in diesem Engineering-Design-Prozess ist die Informatik zunächst einmal ein Tool, um etwas zu automatisieren.

00:13:00: Nicht mehr.

00:13:01: Jetzt bist du auch, also wir sind bei den Technik-Camps.

00:13:03: Klar, das sagt der Name ja schon im technischen Bereich, aber du bist auch verantwortlich für die sogenannte Kinder-Uni der Universität in Koblenz.

00:13:11: Das ist noch ein bisschen interdisziplinärer, glaube ich, oder?

00:13:15: Das ist es, ja.

00:13:16: Also das macht eine große Freude, die Kinder-Uni zu managen oder mit dabei zu begleiten, weil die Kinder-Uni... Das ist ja ein ganz anderes Format.

00:13:28: Während die Ferienkurs ja immer wöchentlich in den Ferien haben wir mit der Kinder-Uni die Möglichkeit.

00:13:37: Die Wurzeln liegen ja an einer anderen Hochschule in Deutschland und das hat sich dann von dort aus über die ganze Bundesrepublik verteilt, sodass alle Universitäten oder fast alle Universitäten ein Angebot für Kinder und Jugendliche haben.

00:13:50: Das sind aber Veranstaltungen, die immer nur einmal stattfinden.

00:13:54: Und das ist für mich eine große Herausforderung auf der einen Seite, also große Freude.

00:13:58: zu sehen, dass das stattfindet und welche Freude die Kinder auch dabei haben.

00:14:02: Wir haben ja auch Ausweise, wo die Kinder nachweisen können, wie oft sie schon da waren.

00:14:06: Bei den Technikcamps beispielsweise haben wir Kinder, die waren schon vierzigmal bei uns.

00:14:10: Oh, okay, wow.

00:14:12: Das

00:14:13: kann man sich auch die Jahre dann mal hochrechnen.

00:14:15: So viele Fähren gibt es ja dann auch nicht im Jahr.

00:14:19: Auch Mitarbeiter, Kinder, die regelmäßig kommen und wir sehen, wie die daran in diesen Dingen wachsen und irgendwann dann auch als Betreuer bei uns bleiben.

00:14:27: Aber zurück zur Kinder, und das sind ja einmal Veranstaltungen.

00:14:30: Und es gibt so auf der einen Seite die Freude der Kinder und dann die Konversation mit den Kolleginnen und Kollegen.

00:14:37: Die können sich das am Anfang gar nicht vorstellen.

00:14:39: Also ich muss sie manchmal überzeugen, überreden ist schlecht, überzeugen, begeistern.

00:14:45: dafür mitzumachen.

00:14:46: Ich muss einmal kurz intervenieren.

00:14:49: Als Erläuterung für die Leute draußen, die vielleicht noch nie was von der Kinderunion gehört haben.

00:14:54: Ich war selbst schon aktiv teil.

00:14:55: Deshalb kann ich es glaube ich erklären.

00:14:57: Unsere Lehrenden, unsere Forschenden machen Angebote für Kinder, die... selbst dann halt eben aussuchen, in welcher Altersspanne sie das anbieten.

00:15:07: Es gibt, glaube ich, Kurse, die sind schon ab sechs Jahren, es gibt dann aber auch gestaffelt beispielsweise was für vierzehn bis sechzehnjährige, dass es nicht so erzählt, wie es

00:15:16: ist.

00:15:16: Also bei der Kinderunion gibt es eine maximale Altersgrenze, normalerweise ist das bei zwölf gekappt.

00:15:22: Okay,

00:15:22: bei zwölf.

00:15:23: Deswegen heißt es Kinderunion, nicht Jugendlichenunion oder so.

00:15:26: Okay, und die Kinder bekommen letztlich auch einen Einblick ein Stück weit in die Universität.

00:15:32: wie es hier aussieht, wie man lehrt und natürlich unsere Forschenden und Lehrenden, die ja ganz klar Erwachsenbildner sind im Normalfall, also die sich eigentlich spezialisiert haben auf Menschen im weitesten Sinne ab achtzehn Jahren, die müssen auf einmal ihre Lehre und ihre Forschung soweit reduzieren, anpassen, dass sie für Kinderschmackhaft ist.

00:15:57: Genau das.

00:15:58: Und das stelle ich mir tatsächlich auch sehr spannend vor.

00:16:01: Und trotzdem, wenn ich mir das Potpourri so anschaue, gibt es alle möglichen Themen bei der Kinder-Uni.

00:16:07: Ja, also wir bilden wirklich.

00:16:09: Und das ist so mein Bestreben mit meinen studentischen Hilfskräften, dass wir wirklich die gesamte Bandbreite der Universität abdecken.

00:16:18: Und wir helfen dann den Kollegen und Kolleginnen wirklich manchmal, das zu vereinfachen.

00:16:24: Also sie... zu überzeugen und zu begeistern, einfach das so zu reduzieren.

00:16:29: Und wenn sie es dann, wenn sie sich getraut haben, das zu machen, dann wird es richtig spannend, weil die Rückmeldung, das hätte ich nicht gedacht.

00:16:36: Die Kinder waren ja so neugierig.

00:16:38: Was haben die für Fragen gestellt?

00:16:40: Und in der Folge dessen gibt es einen Kollegen.

00:16:45: Als der Philosophie, und da bin ich so was von stolz drauf, dass das gelungen ist, der macht fortgeschrittenen Kurse.

00:16:50: Das heißt also, er baut auf das auf und die Kinder kommen immer und immer und immer und wieder.

00:16:56: Das ist wie so ein... philosophischer Zirkel inzwischen und dann entwickelt sich so eine Community daraus, wo ich jetzt einfach mal profiziere, also aus diesem Kreise wird es später mal zwei, drei, nach Handvoll studieren dabei uns geben.

00:17:09: Genau, also man lernt ja nicht nur als Kind irgendwie auch die Universität kennen, sondern man lernt die Fächern stückweit kennen und kann sich relativ

00:17:15: früh

00:17:16: vielleicht auch schon vorstellen, was überhaupt Philosophie ist, wo man sonst vielleicht auch gar keinen Zugang zu hätte und findet den vielleicht auch für seinen späteren Lebensweg dann selbst.

00:17:25: Auch aus der Perspektive der Wissenschaftskommunikation, ich sage immer, wenn ich es schaffe, meine eigene Forschung als Sendung mit der Maus zu erklären, sodass sie wirklich jeder versteht, dann ist es wirklich sehr wertvoll.

00:17:38: Genau, das ist es.

00:17:40: Und vor allem die Altersgruppe ist wichtig.

00:17:42: Wir wissen aus der Psychologie, dass die Prägung für bestimmte Richtungen so im Alter dreizehn, vierzehn abgeschlossen ist.

00:17:49: Also das ist sowas von wichtig.

00:17:51: zu verstehen, wir müssen in der Bildungskette, egal ob das Sport, Musik oder eben Technik ist, müssen wir so früh anfangen, wie es nur geht, am besten schon im Kindergarten.

00:18:02: Ja, also große Werbung für die Kinder, Uni und natürlich auch die Technik-Camps an dieser Stelle.

00:18:07: Wir werden mit Sicherheit unten einfach auch verlinken und einblenden, wo man sich da noch näher informieren kann.

00:18:13: Aber du machst auch noch etwas, was sich Makerspace schimpft.

00:18:18: Was bitte ist ein Makerspace für die Leute da draußen?

00:18:23: Einfach ausgedrückt.

00:18:24: Ein Ort, an dem man basteln, tüfteln und forschen kann, nach gut dünken.

00:18:30: Ein Raum, in dem Werkzeuge und Maschinen zur Verfügung stehen, wo man sich mit Gleichgesinnten treffen kann, seine eigenen Projekte verwirklichen kann.

00:18:41: Oftmals sogar dann bei Gleichgesinnten die Hilfe findet, die man selber nicht hat.

00:18:45: Also ein Maschinenbauer und ein Elektrotechniker sitzen da und eine Informatiker.

00:18:50: Also ein Treff für Gleichgesinnte.

00:18:52: Wie stelle ich mir das ganz praktisch vor?

00:18:54: Also wenn ich jetzt Lust habe vorbeizukommen als Außenstehender?

00:18:58: Also bei uns ist die Werkstatt samstags Nachmittags geöffnet.

00:19:02: In bestimmten Zeiten muss man sich auf der Webseite vorher schauen.

00:19:05: Ob die Schlüsselhalter auch wirklich da sind, es gibt so Standardzeiten, aber ob sie auch wirklich da sind, ist dort nachzuschauen.

00:19:15: Und dann geht man einfach hin und sagt, Hallo, ich bin hier und ich möchte gerne einen Quadrocopter bauen.

00:19:19: Könnte mir dabei helfen.

00:19:21: Was ist ein Quadrocopter?

00:19:22: Es tut mir leid.

00:19:23: Ich muss fragen.

00:19:24: Okay, also ein Quadrocopter ist ein fliegender Roboter mit vier Rotoren, den man fernsteuern kann.

00:19:30: Okay, wie eine Drohne?

00:19:31: Genau.

00:19:33: Die übliche Drohne ist ein Quadrocopter.

00:19:35: Ah,

00:19:35: okay.

00:19:37: Der SIPF war auch schon eine schöne Überleitung, so ein Stück weit bei digitaleren Werkzeugen und der Digitalisierung.

00:19:43: In Verbindung mit der Techniklehre, wo siehst du da Herausforderungen, aber vor allem auch Chancen?

00:19:49: Also ich knüpfe erstmal an den Makerspace noch an, weil das nämlich super

00:19:52: passt.

00:19:53: Also das Makermovement, so muss ich das formulieren, das Makermovement ist etwas, was der technischen Bildung zunächst einmal... die Kreativität zurückgibt.

00:20:05: Also man hat lange versucht, die Technik als so die Dumpfbacken abzutun, die Nerds, dem Keller hocken, wie die Informatiker Nerds, so.

00:20:15: Man hat das klassische Bild von so, ja, Zit-Koms vor sich.

00:20:18: Und

00:20:18: vor allem nicht kreativ.

00:20:20: Kreative wurde dann allein der Kunst- und Kulturzugeschanz.

00:20:24: und dem Makers-Movement merkt man, hier bekommt die technische Bildung und technisches tun, also das Engineering bekommt, also dass die Kreativität wieder zurück.

00:20:35: Ja.

00:20:36: So.

00:20:37: Und in diesem Bereich, und das muss ich ja für meine Ausbildung mit meinen Studenten, also ich hier vor über dreißig Jahren angefangen habe, da hatte ich den ersten Computer und dem Tisch stehen.

00:20:51: Und ich muss ja mit der Zeit gehen.

00:20:53: Wir müssen heute Dinge tun, die wir früher nicht gemacht haben.

00:20:57: Wir haben jetzt Laser-Cutter.

00:20:59: Die Studenten sind begeistert von diesem Laser-Cutter.

00:21:02: Die Tage hat mir einer meiner Studenten berichtet, wir mussten die Tür zu machen.

00:21:07: Wir waren so euphorisch und haben so gequetscht.

00:21:10: dass wir dachten, wir stören den Vorlesungsbetrieb, weil das so begeistert waren.

00:21:15: Also ein Lasercutter gehört mit in die Kategorie rein.

00:21:17: Wir haben vor Jahren schon drei D-Drucker mit in das Portfolio übernommen.

00:21:23: Wir haben CNC-Fräsmaschinen, die wir nutzen in der Ausbildung eben im Master-Teil.

00:21:29: Benutzen wir diese Sachen.

00:21:31: Das Problem dabei ist, auch dort ist die Entwicklung natürlich so rassant.

00:21:35: So rassant, dass mein Ziel ... An der Stelle ist nicht immer so eine vollständige Ausbildung, sondern eine Offenheit, eine Bereitschaft, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen.

00:21:47: In den paar Stunden, die ich die Studenten nur habe, kann ich im Prinzip immer nur sagen, wir sind in einem Haus, ich mache die Türen und die Fenster auf und ich zeige euch, wo es hingeht.

00:21:55: Ihr müsst vorbereitet sein, wenn, Tag und eben bereit.

00:22:00: diese Dinge auch anzugehen.

00:22:01: Und ich glaube, das gelingt mir so aus dem, was ich so aus den Schulen von meinem ehemaligen höre eigentlich auch immer ganz gut.

00:22:08: Du wurdest ja auch schon mehrfach ausgezeichnet.

00:22:10: Also ich habe ein bisschen recherchiert unter anderem von der School of Excellence oder auch vom Deutschen, von der Deutschen Gesellschaft für technische Bildung.

00:22:21: Worauf hörst du das zurück?

00:22:23: Was macht dein Erfolg aus in diesem Bereich?

00:22:27: Also für mich persönlich, ich lebe das Ganze.

00:22:30: Also es ist kein Job, sondern das ist für mich, hättest du mir als Jugendlicher ein Mahlkasten gegeben, ich hätte mir diesen Job gemalt.

00:22:40: Ich habe schon mit fünfzehn im Alter von als Schüler hier in der Nachbarschaft, im Haus der offenen Türen, so im Jugendzentrum, habe ich mit fünfzehn schon den Worker Club gegründet.

00:22:51: Ich habe im Prinzip damals schon das gemacht, was ich jetzt auch mache, nur auf einem anderen Niveau.

00:22:56: Also ich glaube, Das ist mein Herzblut, das da drin steckt.

00:23:03: Und ich freue mich natürlich dann, dass die Kolleginnen und Kollegen aus den Fachgesellschaften das auch so sehen, dass das entsprechend erfolgreich ist, den Kategorien erfüllt hat.

00:23:13: Und von daher ist es etwas, was mich bestätigt, weil wenn du technische Bildung als Profession hast, dann ist die Community nicht so groß.

00:23:24: Und ich bin ja auch bei uns im Hause der einzige, der das macht.

00:23:27: Ich brauche dann Austausch außerhalb, den habe ich darüber.

00:23:30: Und wenn ich dann über die Kolleginnen und Kollegen in den Fachgesellschaften die Anerkennung bekomme, dann bekomme ich auch die Rückwelt und das, was ich gemacht habe, ist gar nicht so verkehrt.

00:23:40: Also das kann ich objektiv tatsächlich bestätigen.

00:23:43: Man merkt so ein Stück weit das Hobby, wo du zum Beruf, zur Berufung.

00:23:46: und das Herzblut, das spürt man sogar, wenn du über ein Campus läufst.

00:23:50: Also von daher möchte ich das hier an dieser Stelle sehr gerne bestätigen.

00:23:54: Ich hätte noch eine letzte Frage.

00:23:56: So kurz vor Weihnachten darf man sich ja was wünschen und ich stelle sowieso gerne zuletzt beim Podcast immer eine utopische Frage, die gar nicht realistisch beantwortet werden muss.

00:24:08: Was wünschst du dir in Bezug auf dein Fachgebiet, auf das, was du trust, in Bezug auf die Universität für die Zukunft?

00:24:18: Ich darf dir jetzt wünschen, was ich möchte.

00:24:20: Ganz utopisch.

00:24:21: Ganz utopisch.

00:24:22: Also was ich mir wünschte, wäre eine personelle und sachlich räumliche Ausstattung, um ausreichend Technik-Lehrer auszubilden.

00:24:34: Nicht nur für das Land Rheinland-Pfalz.

00:24:35: Die Nachfrage ist weltweit so groß.

00:24:38: Wir könnten so viele Studenten ausbilden und damit die Welt einstiegreicher machen.

00:24:44: Ich danke dir.

00:24:45: Das ist ein schönes Schlusswort.

00:24:47: Wir sehen Technikbildung, das, was man sich klassisch darunter vorstellt, vielleicht so auch der Tüffler oder die Tüfflerin allein im Keller.

00:24:56: Das ist es nicht, sondern es sind ganz tolle Transferprozesse, gerade auch natürlich mit diesen Cams, mit der Makerkultur, die du hier initiiert hast.

00:25:06: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:25:07: Danke, dass ihr dabei wart.

00:25:09: Und vor allem vielen, vielen Dank, Martin, dass du da warst.

00:25:12: Sehr gerne.

00:25:12: Vielen Dank für die Einladung.

00:25:15: Das war Weiterdenken, der Podcast der Uni Koblenz.

00:25:19: Bleibt neugierig und folgt uns für mehr spannende Einblicke.

00:25:22: Überall da, wo es Podcasts gibt.

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